Canonical Tag richtig einsetzen: Welche URL soll Google berücksichtigen?
Eine Website besteht nicht immer aus so eindeutigen URLs, wie es für einen Besucher zunächst aussieht. Derselbe oder sehr ähnliche Inhalt kann aus technischen Gründen unter mehreren Adressen erreichbar sein. Genau an dieser Stelle kommt der Canonical Tag ins Spiel.
Mit ihm lässt sich Suchmaschinen mitteilen, welche URL als bevorzugte Version eines Inhalts betrachtet werden soll.
Das klingt zunächst nach einer kleinen technischen SEO-Einstellung. Ein falsch gesetzter Canonical kann jedoch dazu führen, dass Google eine andere URL berücksichtigt als eigentlich vorgesehen.
Gerade bei umfangreicheren Websites lohnt sich deshalb ein genauer Blick.
Für medizinische Websites gilt zusätzlich: Ein Canonical Tag ist kein Reparaturwerkzeug für zu ähnliche Behandlungs-, Leistungs- oder Standortseiten. Wenn zwei Seiten unterschiedliche Suchintentionen bedienen sollen, benötigen sie in erster Linie eigenständige und hilfreiche Inhalte.
Was ist ein Canonical Tag?
Der Canonical Tag ist ein HTML-Element, das im <head> einer Seite hinterlegt wird.
Er kann beispielsweise so aussehen:
<link rel="canonical" href="https://www.beispiel.de/behandlung/" />
Damit wird Suchmaschinen signalisiert:
Diese URL soll als bevorzugte beziehungsweise kanonische Version dieses Inhalts betrachtet werden.
Wichtig ist das Wort „Signal“.
Ein Canonical ist keine absolute Anweisung, die eine Suchmaschine unter allen Umständen übernehmen muss. Google kann weitere Signale berücksichtigen und gegebenenfalls eine andere URL als kanonische Version auswählen.
Deshalb sollte ein Canonical immer zur übrigen technischen Struktur einer Website passen.
Warum werden Canonical URLs überhaupt benötigt?
Auf einer Website können unterschiedliche URLs entstehen, obwohl dahinter derselbe oder nahezu derselbe Inhalt steht.
Das kann beispielsweise durch URL-Parameter, Filter, Trackingparameter, unterschiedliche technische Pfade oder verschiedene Varianten einer Seite passieren.
Für einen Menschen ist häufig sofort klar, dass es sich um dieselbe Seite handelt.
Eine Suchmaschine muss dagegen entscheiden:
Welche URL soll indexiert und in den Suchergebnissen berücksichtigt werden?
Hier kann die Canonical-Angabe helfen.
Statt mehrere nahezu identische URLs getrennt zu behandeln, können relevante Signale eher einer bevorzugten URL zugeordnet werden.
Canonical Tag und Duplicate Content
Canonical Tags werden häufig direkt mit Duplicate Content verbunden. Grundsätzlich ist dieser Zusammenhang richtig, er wird aber oft zu stark vereinfacht.
Nicht jeder ähnliche Inhalt benötigt automatisch einen Canonical.
Nehmen wir eine medizinische Website mit zwei Seiten:
- Behandlung einer Erkrankung
- Diagnose derselben Erkrankung
Natürlich können sich einzelne Informationen überschneiden. Trotzdem verfolgen beide Seiten möglicherweise unterschiedliche Zwecke und beantworten unterschiedliche Patientenfragen.
Hier wäre es nicht sinnvoll, allein wegen einzelner ähnlicher Abschnitte eine Seite per Canonical auf die andere verweisen zu lassen.
Die bessere Lösung besteht darin, die jeweilige Suchintention deutlich herauszuarbeiten.
Eine Seite erklärt die Diagnostik, die andere die Behandlung.
Ähnliche Themen sind nicht automatisch doppelte Inhalte.
Canonical Tags sind keine Lösung für kopierte Behandlungsseiten
Besonders wichtig ist dieser Punkt bei SEO für Ärzte und medizinische Websites.
Eine Praxis besitzt beispielsweise mehrere Standortseiten oder Behandlungsseiten, deren Texte fast vollständig identisch sind. Lediglich Ortsname oder Überschrift wurden ausgetauscht.
Dann sollte nicht reflexartig versucht werden, das Problem mit Canonicals zu lösen.
Wenn jede Seite eigenständig bei Google gefunden werden soll, braucht sie einen nachvollziehbaren eigenen Zweck und entsprechend hilfreiche Inhalte.
Das gilt beispielsweise für:
Behandlungsseiten, Leistungsseiten, Arztprofile und Standortseiten.
Soll eine Seite dagegen tatsächlich nur eine technische Kopie einer anderen URL darstellen, kann ein Canonical die passende Lösung sein.
Diese Unterscheidung ist entscheidend.
Was ist ein selbstreferenzierender Canonical?
Bei einem selbstreferenzierenden Canonical verweist eine Seite auf ihre eigene URL.
Beispiel:
Die Seite
https://www.beispiel.de/augenarzt/
enthält:
<link rel="canonical" href="https://www.beispiel.de/augenarzt/" />
Damit wird die gewünschte Hauptversion der URL eindeutig angegeben.
Selbstreferenzierende Canonicals sind auf modernen Websites üblich und können dabei helfen, die bevorzugte URL konsistent zu kommunizieren.
Sie sind insbesondere dann praktisch, wenn dieselbe Seite gelegentlich mit zusätzlichen URL-Parametern aufgerufen wird.
Canonical auf eine andere URL setzen
Ein sogenannter Cross-Canonical beziehungsweise ein Canonical auf eine andere URL sollte bewusst eingesetzt werden.
Angenommen, derselbe Inhalt ist technisch unter zwei verschiedenen URLs erreichbar:
https://www.beispiel.de/leistung/
und
https://www.beispiel.de/leistung/?quelle=newsletter
Dann kann die eigentliche Leistungsseite als bevorzugte URL angegeben werden.
Anders sieht es aus, wenn zwei URLs unterschiedliche Inhalte besitzen.
Ein Canonical sollte nicht allein deshalb auf eine andere Seite zeigen, weil diese bei Google bereits besser rankt.
Die kanonische URL sollte eine geeignete Hauptversion des betreffenden oder sehr ähnlichen Inhalts darstellen.
Canonical oder Weiterleitung?
Canonical Tag und 301-Weiterleitung werden häufig miteinander verwechselt.
Sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Bei einer Weiterleitung wird ein Besucher, der URL A aufruft, automatisch zu URL B weitergeleitet.
Bei einem Canonical bleibt URL A dagegen grundsätzlich erreichbar. Suchmaschinen erhalten lediglich den Hinweis, dass URL B als bevorzugte Version betrachtet werden soll.
Das macht einen wichtigen Unterschied.
Wenn eine alte Seite dauerhaft durch eine neue ersetzt wurde und die alte URL nicht mehr benötigt wird, kann eine Weiterleitung sinnvoller sein.
Müssen dagegen mehrere URL-Varianten weiterhin erreichbar bleiben, obwohl eine davon als Hauptversion gelten soll, kann ein Canonical die passendere Lösung sein.
Die richtige Entscheidung hängt also vom technischen Zweck ab.
Canonical und Noindex sind nicht dasselbe
Auch Canonical und Noindex verfolgen unterschiedliche Ziele.
Mit noindex wird Suchmaschinen signalisiert, dass eine Seite nicht in den Suchergebnissen erscheinen soll.
Ein Canonical sagt dagegen sinngemäß:
Wenn mehrere Versionen dieses Inhalts vorhanden sind, soll diese andere beziehungsweise diese bevorzugte URL berücksichtigt werden.
Beide Maßnahmen sollten deshalb nicht beliebig miteinander kombiniert werden.
Wer eine saubere Indexierungsstrategie entwickeln möchte, sollte zunächst entscheiden, was mit einer URL tatsächlich passieren soll.
Soll sie indexiert werden? Ist sie eine Kopie? Wird sie überhaupt noch benötigt?
Erst danach sollte das technische Mittel gewählt werden.
Die Canonical URL sollte technisch sinnvoll sein
Ein Canonical funktioniert am besten, wenn die angegebene Ziel-URL selbst eine klare und technisch saubere Hauptversion darstellt.
Problematisch kann es beispielsweise werden, wenn ein Canonical auf eine nicht erreichbare, weitergeleitete oder für Suchmaschinen ungeeignete URL verweist.
Auch widersprüchliche Signale sollte man vermeiden.
Wenn interne Links ständig auf URL A zeigen, die Sitemap URL A enthält, der Canonical aber URL B bevorzugt, entsteht eine unnötig uneindeutige Situation.
Technisches SEO funktioniert am saubersten, wenn die Signale zusammenpassen.
Das bedeutet:
Canonical, interne Verlinkung, Sitemap und gewünschte Indexierungs-URL sollten möglichst dieselbe Richtung vorgeben.
Canonical Tag in WordPress
Bei WordPress müssen Canonical Tags normalerweise nicht auf jeder Seite manuell in den Quellcode geschrieben werden.
Gängige SEO-Lösungen können Canonical URLs automatisch erzeugen und bieten häufig zusätzlich die Möglichkeit, eine abweichende Canonical URL festzulegen.
Genau hier ist allerdings Vorsicht angebracht.
Nur weil sich in einem SEO-Plugin eine andere Canonical-Adresse eintragen lässt, bedeutet das nicht, dass man diese Funktion regelmäßig verwenden sollte.
Auf einer sauber aufgebauten WordPress-Website sollte die automatische Canonical-Angabe in vielen Fällen bereits passen.
Manuelle Änderungen sind vor allem dann sinnvoll, wenn es dafür einen konkreten technischen Grund gibt.
Wie kann ich den Canonical Tag einer Seite prüfen?
Eine einfache Möglichkeit ist der HTML-Quelltext.
Dort kann nach
rel="canonical"
gesucht werden.
Anschließend sollte geprüft werden:
Welche URL ist eingetragen? Ist diese URL erreichbar? Entspricht sie tatsächlich der gewünschten Hauptversion?
Bei einer größeren Website reicht eine manuelle Kontrolle einzelner Seiten allerdings nicht aus.
SEO-Crawler können Canonical-Angaben über viele URLs hinweg analysieren und beispielsweise fehlende, widersprüchliche oder auffällige Canonicals sichtbar machen.
Auch die Google Search Console ist hilfreich.
Bei der URL-Prüfung kann sichtbar werden, welche URL Google als kanonisch betrachtet und ob diese mit der vom Websitebetreiber angegebenen Version übereinstimmt.
Gerade bei Indexierungsproblemen ist diese Information sehr wertvoll.
Wenn Google einen anderen Canonical auswählt
Es kann vorkommen, dass eine Website URL A als Canonical angibt, Google aber URL B als kanonische Version betrachtet.
Das bedeutet nicht automatisch, dass Google einen Fehler macht.
In einem solchen Fall sollte die gesamte Situation geprüft werden.
Sind die Inhalte tatsächlich nahezu identisch? Welche URL wird intern verlinkt? Welche steht in der Sitemap? Gibt es Weiterleitungen? Welche URL wirkt technisch wie die eigentliche Hauptversion?
Der Canonical sollte deshalb nie isoliert betrachtet werden.
Google erhält auf einer Website zahlreiche Signale darüber, welche URL wichtig ist. Der Canonical ist eines davon.
Häufige Fehler bei Canonical Tags
Bei SEO-Analysen begegnen mir immer wieder ähnliche Probleme.
Ein klassischer Fehler ist ein Canonical auf eine URL, die gar nicht die passende Hauptversion darstellt.
Ebenso problematisch sind Canonicals, die pauschal von vielen unterschiedlichen Seiten auf die Startseite zeigen.
Damit wird nicht automatisch die Startseite gestärkt. Stattdessen entsteht ein technisches Signal, das inhaltlich möglicherweise überhaupt keinen Sinn ergibt.
Weitere typische Probleme sind:
- Canonical verweist auf eine falsche URL
- Ziel-URL ist nicht erreichbar
- Canonical und Weiterleitung widersprechen sich
- Sitemap und Canonical nennen unterschiedliche Haupt-URLs
- verschiedene Seiten werden trotz unterschiedlicher Suchintention zusammengefasst
- Canonical wurde nach einem Website-Relaunch nicht angepasst
- HTTP-, HTTPS-, www- oder andere URL-Varianten werden uneinheitlich behandelt
Bei größeren Websites können solche Fehler lange unbemerkt bleiben.
Eine regelmäßige technische Kontrolle ist deshalb sinnvoll.
Canonicals nach einem Website-Relaunch besonders prüfen
Nach einem Relaunch verändern sich häufig URL-Strukturen.
Genau dann lohnt sich eine Kontrolle der Canonical Tags.
Wurden alte Vorlagen übernommen, können Canonicals noch auf frühere URLs zeigen. Auch Staging-Adressen oder Testsysteme sollten nach einer Migration nicht versehentlich als Canonical in der produktiven Website verbleiben.
Neben Weiterleitungen, Sitemap und internen Links gehören Canonical Tags deshalb auf die technische Checkliste eines Relaunches.
Für eine Arztpraxis kann das besonders relevant sein, wenn Behandlungsseiten neu strukturiert, Standorte zusammengeführt oder alte Leistungsseiten ersetzt wurden.
Canonical Tags bei medizinischen Websites
Medizinische Websites können mit der Zeit sehr umfangreich werden.
Es entstehen Seiten zu Erkrankungen, Behandlungen, Untersuchungen, Ärzten, Standorten und Ratgeberthemen.
Dabei können sich Inhalte thematisch überschneiden.
Das bedeutet aber nicht, dass ein Canonical die Lösung für jede Überschneidung ist.
Zunächst sollte geprüft werden:
Beantworten die Seiten dieselbe Frage oder unterschiedliche Fragen?
Wenn zwei Seiten unterschiedliche Suchintentionen bedienen, sollten diese Unterschiede auch im Inhalt deutlich werden.
Wenn dagegen technisch mehrere URLs denselben Inhalt ausliefern, kann die Canonicalisierung helfen, eine eindeutige Hauptversion zu bestimmen.
Diese Trennung zwischen inhaltlicher Optimierung und technischer Canonicalisierung halte ich für einen der wichtigsten Punkte beim Umgang mit Canonical Tags.
Fazit: Canonical Tags bewusst statt vorsorglich setzen
Der Canonical Tag ist ein nützliches Werkzeug des technischen SEO. Er hilft Suchmaschinen dabei zu erkennen, welche URL bei gleichen oder sehr ähnlichen Inhalten bevorzugt berücksichtigt werden soll.
Er sollte allerdings nicht als Universalwerkzeug gegen Duplicate Content verstanden werden.
Wenn zwei Seiten unterschiedliche Themen oder Suchintentionen besitzen, benötigen sie eigenständige Inhalte und keine künstliche Zusammenführung.
Bei echten URL-Duplikaten kann ein korrekt gesetzter Canonical dagegen für deutlich mehr Klarheit sorgen.
Die wichtigste Frage lautet deshalb vor jeder Änderung:
Welche URL soll Google als Hauptversion dieses konkreten Inhalts verstehen und stimmen die übrigen technischen Signale damit überein?
Wer diese Frage eindeutig beantworten kann, hat die wichtigste Grundlage für eine saubere Canonical-Strategie bereits geschaffen.
